28 Juli 2025

Erster Partiegewinn, Ausflug und neuer Europameister

Am Donnerstag habe ich meine Partie gegen ein junges Mädchen aus Kroatien verloren. Sie war zwei Grade schlechter eingestuft, da hätte ich eigentlich gewinnen müssen. Während der Partie hatte ich auch das sichere Gefühl, die besseren Züge zu machen. Aber irgendwie lag ich zu Beginn des Endspiels ein paar Punkte hinten und ich nahm mir fest vor, ein genaues Endspiel zu spielen. Das klappte aber nicht, mehrfach machte ich einfache Fehler und gab dann entnervt auf.

4. Runde im Hauptturnier

Nach der Runde haben Dörte und ich an einer Free Walking Tour durch die historische Altstadt von Warschau teilgenommen. Diese Tour hinterließ bei mir gemischte Gefühle, denn der Fremdenführer erzählte von den geschichtlichen Katastrophen Polens mit einem solch bitteren Sarkasmus, dass man es kaum noch aushalten konnte. Die Gebäude spielten keine großartige Rolle in den Erklärungen, denn im Zentrum gibt es praktisch kaum Gebäude, die den zweiten Weltkrieg überstanden haben. Trotzdem war die Führung interessant und ich möchte sie nicht missen.

An der wieder aufgebauten Stadtmauer fanden wir einen Cache

Nach der Führung gingen wir noch in ein Brauerei-Gasthaus und Dörte bekam Żurek, ihre heiß geliebte saure Mehlsuppe. Und hier wurde sie sogar in einem Brotteig serviert!

Saure Mehlsuppe im Brotteig serviert

Am Freitag erging es mir dann beim Go-Spiel besser, gegen einen 3-Kyu aus Irland konnte ich endlich meine erste Turnierpartie gewinnen. Das wurde aber auch Zeit! 

Am Wochenende wird traditionell ein eigenes Turnier gespielt, bei dem wir seit Jahren nicht mehr mitspielen, sondern stattdessen lieber die Gegend erkunden. Am Samstag war das Wetter noch gut und wir haben einen tollen Ausflug in den Łazienki Park gemacht. Dieser Park ist im 17. Jahrhundert angelegt worden und ist ziemlich groß. Vier historische Schlösser aus dem 18. Jahrhundert haben wir hier besichtigt: 

  • Weißes Haus, das war das schönste der besichtigten Häuser. Es ist in beiden Weltkriegen nicht zerstört worden und auch das Mobiliar ist zum großen Teil noch original.
  • Orangerie, hier befindet sich ein Theater und es sind Gipsabdrücke bekannter Kunstwerke ausgestellt.
  • Palast auf der Insel, die ehemalige Königsresidenz
  • Myślewicki-Palast, der ab dem 19. Jahrhundert als Gästehaus für Staatsgäste diente. Hier wohnte Napoleon Bonaparte und auch die ersten offiziellen Kontaktgespräche zwischen China und der USA fanden hier statt.
Das weiße Haus gefiel uns am besten

Es gab aber nicht nur die Besichtigungen, sondern auch viele Denkmäler und Skulpturen zu bestaunen. Am Denkmal für Chopin finden sonntags um 12 Uhr und 16 Uhr kostenlose Konzerte statt.

Das große Chopin-Denkmal

Daneben gab es ein Musikfestival und an mehreren Orten im Park waren Zelte aufgestellt, in denen Musik aufgeführt wurde. Rundherum standen Stühle und Liegestühle, von denen sich Dörte schnell einen erobert hatte.

Konzert von Xylophon-Spielern

Am besten gefiel mir bei diesem Ausflug in den Park, dass er zu dem heißen Tag perfekt passte. Durch den Schatten der Bäume und die mehrfachen Besichtigungen der klimatisierten Innenräume konnte man sich immer wieder abkühlen. Es machte auch sehr viel Spaß zu beobachten, was die anderen Parkbesucher so taten. Da konnte man zum Beispiel Boot fahren oder sich unter Anleitung eines Polizisten mal auf ein Polizeimotorrad setzen. Und wenn es  interessant genug war, hat jemand von uns es auch selbst getan!

Dörte legt sich in die Kurve!

Am Sonntag regnete es in Strömen und es gab sogar eine Unwetterwarnung. Wir haben das genutzt, um im Zuschauerraum bei der Liveübertragung der Partie um den Europameistertitel dabei zu sein. Es war eine hochspannende Partie, die Mateusz Surma für sich entscheiden konnte. Schön, dass ein polnischer Go-Spieler in Polen gewonnen hat!

Übertragung der Finalpartie auf die Großbildleinwand

Heute, am Montag, gab es einen Pausentag, den wir eigentlich alle nicht haben wollten. Traditionell hätte er am Mittwoch sein sollen, aber die Organisatoren haben das umgestellt und fast niemand hat es vor dem Kongress mitbekommen. Das war unglücklich, einerseits, weil wir jetzt drei Tage hintereinander nicht gespielt haben, und andererseits, weil es immer noch regnet und alle Museen montags geschlossen haben. Wir haben den freien Tag genutzt, um zu lesen und ein paar Freundschaftspartien zu spielen.

Zum Abschluss noch ein paar Eindrücke vom Go-Kongress:

Go-Roboter in Aktion

Schicke Rollstuhl-Räder!

Anmerkungen von Dörte:

In keinem anderen Land habe ich bisher Magneten mit Gerichten gesehen. Hier gibt es Piroggen, Chleb, Bigosz und Żurek. Eine echte Besonderheit. Ich hab natürlich den Żurek-Magneten gekauft. 

Magnet

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