31 August 2025

Goodbye Scotland!

Wir stehen jetzt gerade in Cairnryan am Fährterminal und warten auf die Einschiffung nach Belfast auf der Stena Superfast VIII.  Die Fahrt von Aberfeldy hierher war problemlos, wir haben die touristische Route A822 über Crieff durch die Highlands genommen und sind anschließend auf Hauptstraßen bis zum Fährhafen gefahren.

Klosterruine Crossraguel Abbey

Auf dem Weg kamen wir an der Klosterruine Crossraguel Abbey vorbei und haben das Gelände kurz besichtigt. Es ist viel umfangreicher, als man auf den ersten Blick denkt. Eines der verfallenen Gebäude kann man sogar bis zum dritten Stock besteigen.

Hier kommt man nur bis zum ersten Stock!

Hier war ich ganz oben!
Am Eingang haben wir uns etwas länger mit dem schottischen Ticketverkäufer unterhalten. Er meinte, dass die Schotten quasi perfekt Deutsch sprechen würden: Sie schreiben zwar "Light" und "Night", aber sprechen "Licht" und "Nacht". Vielleicht ist das ein wenig zu kurz gegriffen, aber die Lautverschiebung in der Sprache wird schon stärker, je weiter man nach Norden kommt.

Das ehemalige Kirchenschiff

Für den täglichen Cache hatte ich ein Denkmal an der Strecke herausgesucht: Ein Ehrenmal für die Besatzung eines russischen Kreuzers, der Warjag. Warum steht das Denkmal hier in Schottland? Das liegt an der wechselvollen Geschichte des Schiffes. In einer Schlacht zu Beginn des Russisch-Japanischen Krieges im Jahre 1904 wurde der Kreuzer schwer getroffen, rettete sich in einen neutralen Hafen und wurde dort von der Besatzung selbst versenkt, damit des Schiff nicht den Japanern in die Hände fiel. Nach dem Krieg hoben die Japaner das Schiff und reparierten es. Danach wurde es mehrfach verkauft und für verschiedene Zwecke eingesetzt, bevor es 1920 zum Abwracken nach Deutschland geschleppt werden sollte. Dabei lief es hier auf Grund und wurde 1923 bis 1925 vor Ort verschrottet.

Denkmal für den Kreuzer Warjag

Direkt gegenüber liegt übrigens die Insel Ailsa Craig. Sie liegt 16 Meilen vor der Küste, gehört zu Schottland und sieht aus wie ein runder Buckel, der ins Wasser gefallen ist. Aus dem Granit, der von dieser Insel stammt (Ailsite bzw. Riebeckit) werden Curlingsteine hergestellt.

Aisla Craig ist im Dunst zu erkennen

Heute früh vor der Abfahrt hatte ich noch die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang in Aberfeldy. Typisch britisch fand ich das Bowling Green mit dem dazu gehörenden Pavillon.

Bowling Green und Pavillon

Anmerkungen von Dörte:

Hat Jan erzählt, dass wir gestern noch im Pub waren? Da war echt was los mit Livemusik und auch Tanz. Der Musiker (so ein bleicher, extrem schlanker Jüngling in Schwarz) sang Karaoke Songs aus den 60er und 70er Jahren. Beispielsweise  "Hooked on a feeling" in einer neuen Version mit einem Intro, das "catcha ca o, ca o, ca o" immer wiederholte. Super. 
Interessiert wahrscheinlich nur die Hälfte der Leser: Hier gibt es häufig Periodenprodukte umsonst in den Toiletten. Ein echter Fortschritt zu den Diskussionen in Deutschland ("Dann könnte man ja auch Bier an Alkoholkranke umsonst abgeben!")

Karte:

30 August 2025

Highland Games

Ein Schottlandurlaub ist nicht komplett ohne einen Besuch von Highland Games! Deshalb haben wir vor zwei Wochen im Kalender für Highland Games nachgesehen, welche Games wir denn besuchen könnten. Nur die Birnam Highland Games kamen für uns terminlich infrage. Birnam liegt nahe bei Aberfeldy, deshalb sind wir auf dem Weg nach Irland wieder im selben Hotel wie vor zwei Wochen abgestiegen.

Einmarsch der Piping Band

Ein solches Fest ist sowohl für Touristen als auch für die Einwohner der Gegend eine große Attraktion. Insgesamt wurden 68 Wettbewerbe ausgetragen, vor allem im Tanzen, Dudelsackspielen und Sport. Beim Sport gab es Wettbewerbe für registrierte Athleten, aber auch offene Jedermann-Wettbewerbe.

Best dressed dancer
 

Wettrennen der jüngsten Teilnehmer

Besonders markant sind natürlich die Heavy Events, die es inzwischen auch für Frauen gibt. Dazu gehören z. B. putting the stone, throwing the hammer, tossing the caber und throwig the weight over the bar.

Tossing the caber für Frauen

Throwing the hammer

Der Hammer, der dabei geworfen wird, sieht ziemlich gewaltig aus. Thor lässt grüßen! Damit die Werfer nicht mitgerissen werden, haben sie spezielle Schuhe angezogen, die einen etwa 10 cm langen Stachel an der Fußspitze haben, um sich bei der Drehung im Boden festzuhalten.

Stachel an der Fußspitze

Der Wurf des Gewichts über die Latte ist auch spektakulär: Man hat stets Angst, dass das Gewicht dem Werfer auf den Kopf fällt. Einige Latten sind vom Gewicht zerfetzt worden, wenn das Gewicht beim Fallen auf der Latte landete. Am Ende des Wettbewerbes waren alle Ersatzlatten verbraucht!

Throwing the weight over the bar

Das Beeindruckendste ist aber immer noch das "tossing the caber", das Überschlagen eines langen Holzpfahles. Der Pfahl soll sich einmal  der Länge nach überschlagen und möglichst genau auf 12 Uhr landen.


Es gab übrigens zwei Gewichtsklassen für den Pfahl: Der kleine Pfahl wurde von zwei Männern getragen, der große von fünf! 

Großer Pfahl für tossing the caber

Am Ende der Veranstaltung gab es dann noch etwas ganz Besonderes: Die Weltmeisterschaft im Haggis-Essen. Das Video spricht für sich selbst, es wurde ein neuer Rekord von 40,82 Sekunden aufgestellt!



Der einzige Wettbewerb, an dem wir teilgenommen haben, war übrigens die Verlosung einer Flasche des lokalen Whiskys an Besucher aus Übersee. Leider ohne Erfolg ...

Anmerkungen von Dörte:

Als ob Tanzen kein Sport wäre!
Ich habe heute festgestellt, was der moderne Schotte in der Bauchtasche trägt (die mit den Fellbüscheln dran, die so lose vor dem Bauch hängt): Sein Handy! 
Und zumindest die Sportler tragen unter dem Schottenrock etwas das wie eine Radlerhose aussieht, aber wohl eine Kompressionsshorts ist. Man lernt nie aus, was es so gibt. 
Bei diesen beiden Veteranen will ich das aber gar nicht wissen. 


Karte:

29 August 2025

Abschied von Skye

Heute ging es zurück auf die britische Hauptinsel. Vorher hatten wir aber auf der Insel Skye noch zwei Ziele, die wir uns bei der Planung vorgenommen hatten: Sligachan und Loch Coruisk.

Durch das kleine Dorf Sligachen fährt man fast zwangsweise, wenn man die Insel Skye besucht, denn es liegt am Kreuzungspunkt großer Straßen. Uns interessierte hier die Magie des Wassers unter der alten Brücke: Die Legende besagt, dass man auf ewig schön bleibt, wenn man sein Gesicht für sieben Sekunden in dieses Wasser eintaucht und es dann an der Luft trocknen lässt. Dörte hat es probiert!


Den Erfolg habe ich hinterher fotografisch festgehalten. Ich finde, dass es sich gelohnt hat, wenn ihre Augen auf ewig so leuchten wie auf diesem Foto. Findet ihr das nicht auch?

Für immer schön!

Für diese Aktion hätten wir uns besseres Wetter gewünscht, aber man kann es sich ja nicht aussuchen. Für die nächste Aktion war ein trockenes Wetter aber noch wichtiger: Ein Bootsfahrt von Elgol zum Loch Coruisk. Das Loch liegt abgeschieden und von keiner Straße erreichbar hinter den Cuillin Hills. Lediglich vom Meer aus kann man es leicht erreichen, denn die Cuillin Hills sind so schwer zu besteigen wie die schwierigsten Gipfel in den Alpen. Daher ist diese Gegend auch bei Bergsteigern beliebt. 

Bella Jane, unser Boot

Auf der Fahrt gab es zunächst Erklärungen zu den kleinen Inseln, die wir hätten sehen können, wenn es nicht so diesig gewesen wäre. Auf der Rückfahrt war die Sicht dann klarer und wir konnten sie tatsächlich sehen. 

Wir konnten auch Wasserfälle sehen

Kurz bevor wir am Landungssteg ankamen, sahen wir einige Seehundbänke. Insgesamt waren es wohl über 100 Seehunde, die wir sehen konnten.

Seehunde

Laut Beschreibung sollte es ein bequemer Spaziergang von 10 Minuten entlang des Flusses sein vom Anleger bis zum Loch Coruisk. Wir waren zum Glück diesmal gut vorbereitet mit Gummistiefeln, Regenzeug und Wanderstöcken und die konnten wir alle gut gebrauchen. Statt der angegebenen 10 Minuten haben wir eher 25 Minuten gebraucht.

Loch Coruisk vor den Black Cuillins

Ursprünglich wollte ich um das Loch herumwandern, aber das war bei dem heutigen Tagespensum nicht machbar. Statt 90 Minuten Aufenthalt hätte ich dann 3 Stunden Aufenthalt gebraucht und ich hätte auch irgendwie den Fluss queren müssen, was bei den heutigen Wassermengen nicht so trivial gewesen wäre.

Der Fluss Scavaig

Wir waren so früh aufgestanden, dass wir schon um 12:15 Uhr statt erst um 13:45 Uhr in Elgol unsere lange Autofahrt nach Aberfeldy starten konnten. Den Zeitvorsprung haben wir dann genutzt, um zusätzlich noch Eilean Donan Castle zu besichtigen. Diese Burg ist in der Folge eines Jacobiter-Aufstandes 1719 gesprengt worden und bestand über 200 Jahre nur als Ruine. Von 1920 bis 1932 ist sie vollständig restauriert worden.

Eilean Donan Castle

Die Burg ist verbunden mit dem Clan MacRae. Dieser Clan hat keinen offiziell anerkannten Chief, weil sich verschiedene Zweige der Familie nicht einigen können, wer die älteren Ansprüche habe. Hier in dieser Burg geht es um den Zweig der MacRae of Conchra und ich habe ehrlich gesagt die Ahnentafel in der Burg nicht verstanden. Wegen des Fotografierverbotes kann ich sie hier auch nicht zeigen.

Der Innenhof

Seit 1955 wird die Burg als Museum betrieben und nicht mehr bewohnt. Das ist anders als in Dunvegan Castle, dort werden die Räume außerhalb der Sommersaison tatsächlich von Clan-Mitgliedern genutzt. Irgendwie machte das die Räumlichkeiten weniger authentisch, obwohl hier Felsmauern statt Putz als Wände zu sehen waren. Trotzdem war es ein interessanter Besuch.

Jetzt sind wir wieder in Aberfeldy wie vor 10 Tagen und sind mit unserem Hebriden-Abenteuer sehr zufrieden.

Anmerkungen von Dörte:

Eines Tages fing es an zu regnen. Wir haben so ziemlich jeden Regen gehabt, den es gibt. Regen mit kleinen prasselnden Tropfen, richtig schönen dicken Tropfen, Regen, der von der Seite kam und manchmal sogar Regen, der von unten nach oben zu kommen schien.

Karte:

28 August 2025

Dunvegan

Unsere Unterkunft liegt in dem Ort Dunvegan und daher haben wir uns heute einmal um die Sehenswürdigkeiten in der direkten Umgebung gekümmert. Als Erstes sticht da natürlich Dunvegan Castle ins Auge. Das ist bis heute der Sitz des Clans MacLeod - zurzeit ist der 30. Chief, Hugh MacLeod, im Amt. Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist mehrfach erweitert und umgebaut worden. Die letzten großen Änderungen hat es um ca. 1840 gegeben.

Castle Dunvegan

Das Gelände beherbergt auch eine große Gartenanlage, deren Geschichte bis in das 18. Jahrhundert zurückreicht. Genau genommen sind es vier formale Gärten und ein Stück Wald. Wir begannen unseren Rundgang mit dem Wassergarten, der rund um einen Bach mit Wasserfall angelegt war.

Wassergarten

Der "Walled Garden" war mit einer hohen Mauer umgeben. Das dient dazu, dass man Pflanzen vor Wind und Wildfraß schützen kann. Früher wurden hier zum Beispiel Gewürz- und Heilpflanzen angebaut. Heute sind es eher Zierpflanzen und in der Mitte der Anlage befindet sich eine Laube mit Ruhebänken. Die wurde übrigens von Pricess Anne eingeweiht.

Walled Garden

Bevor wir zum dritten Garten gingen, haben wir einen Abstecher zum Bootsanleger gemacht. Von hier hätten wir einen Ausflug zu den Seerobben machen können, aber das hatten wir schon für morgen geplant. Für den Blick auf das Castle von der Wasserseite hat sich der Abstecher aber gelohnt.

Dunvegan Castle von der Wasserseite

Der "Round Garden" hat in der Mitte radial angeordnete Beete mit Wildblumen und eine große gepflegte Rasenfläche. Dominiert wird er aber von einem Monkey Puzzle Tree aus Chile - so einen Baum hatte ich noch nie vorher gesehen.

Monkey Puzzle Tree

Ich weiß gar nicht, ob man hier von Nadeln oder von Blättern sprechen kann. Das sieht jedenfalls schon sehr seltsam aus! Den Rhododendrongarten und das Waldstück haben wir ausgelassen. Der Wald war wohl ursprünglich mal eine Baumschule, damit die Anwohner der Dörfer Bäume um ihre Häuser pflanzen können. Vor einigen Jahrhunderten hat man nämlich die Wälder abgeholzt, damit Schafe dort weiden und keine Räuber sich darin verstecken können.

Nadeln oder Blätter?

Die Besichtigung des Gebäudes hat auch viel Spaß gemacht. Es gab viele Erinnerungsstücke an Begegnungen mit Royals und an Clan-Treffen der MacLeods. Offensichtlich gibt es auch so etwas wie ein Clan-Parlament!

Abstammungstafel des Clans MacLeod

Hier trafen wir auch wieder auf Spuren von Flora MacDonald, die Bonnie Prince Charlie zur Flucht verholfen hatte. Damals waren die MacDonalds und die MacLeods sich noch spinnefeind, weil die MacLeods auf seiten der Engländer standen. Später hat dann eine Tochter von Flora einen MacLeod geheiratet und sie hat einige Jahre in diesem Castle gelebt.

Ahnengalerie im Speisezimmer

Insgesamt haben wir etwa drei Stunden auf dem Gelände verbracht. Danach ging es dann zum Neist Point Lighthouse. Dieser Leuchtturm liegt malerisch schön an der Spitze einer Landzunge. Man braucht nur 12 Meilen auf einer Single Track Road bis zum Ende zu fahren und dann einen Kilometer zu Fuß gehen. Klingt einfach, aber es gab zwei Probleme:
  1. Viel Verkehr, denn nicht nur wir hatten diese Idee. Vor allem die dicken Wohnmobile waren bei den Passing Places manchmal problematisch.
  2. Das Wetter war sehr instabil und brachte Regen, Nebel und Sonnenschein in schnellem Wechsel. Für das Fotografieren ist das ganz schön, aber wenn die Hose völlig durchnässt ist, wird es kalt. Starken Wind gab es übrigens immer!
Regen im Anmarsch

Dörte hat sich gegen den einen Kilometer langen Abstieg zum Leuchtturm entschieden, wegen des Regens und auch wegen ihrer Knie. Ich dagegen wurde unten am Leuchtturm mit strahlendem Sonnenschein belohnt.

Leuchtturm mit Nebelhorn

Hinter dem Leuchtturm gab es zur See hin noch ein Feld mit Steinpyramiden. Deren Bedeutung hat sich mir noch nicht erschlossen, meine erste Assoziation war ein Friedhof. Das stimmt aber vermutlich nicht.

Steinpyramidenfeld

Auf dem Rückweg haben wir noch einen kleinen Umweg gemacht, um den täglichen Geocache zu suchen. Dabei konnten wir einen Wasserfall sehen, der direkt über die Klippen ins Meer fällt.

Wasserfall direkt ins Meer

Am Schluss des Tages gab es dann noch einen Schreck, als wir unsere Buchungen kontrolliert haben: Wir müssen morgen schon abreisen, dabei hatte ich immer übermorgen im Sinn. Was ist nun mit unserem geplanten Bootsausflug für morgen? Wir werden versuchen ihn vorzuverlegen, dann können wir ihn bei frühem Aufbruch auf dem Weg doch noch durchführen. 

Anmerkungen von Dörte:

Dörte hat sich dagegen entschieden, den Weg zum Leuchtturm weiter zu gehen, weil sie schon fast völlig durchnässt war (bei ganz durchnässt wäre es egal gewesen - nasser als nass geht ja nicht).
Unser Vermieter hat übrigens ganz stolz erzählt, dass er als Kind mal im Castle gewohnt hat. Wenn die Familie des Lords nicht im Hause war, hatte sein Vater die Aufgabe, im Haus für Ordnung zu sorgen. Er wäre gerne die langen Gänge entlanggelaufen. Er erzählte auch, dass die Herrschaften sich auch im Dorf zeigen würden. Ist wohl immer noch was Besonderes. 

Magnet:

Diesmal mit akustischem Effekt!

Karte:

27 August 2025

Quiraing

Quiraing ist ein Berggebiet auf Trotternish, der nördlichsten Halbinsel von Skye. Es gibt dort auf der Ostseite schroffe Klippen mit bizarren Felsformationen, die ein Highlight jedes Besuches auf Skye sind. Die bekannteste Formation ist der Old Man of Storr, ein 55 Meter Felsen in Hinkelsteinform. Selbst Obelix könnte den nicht anheben!

Old Man of Storr (links) von oben fotografiert

Diese Felsnadel sieht man schon aus mehreren Kilometern Entfernung gegen den Himmel aufragen. Wir haben am zugehörigen Parkplatz gehalten und eigentlich wollten wir nur ein wenig dem Weg folgen, um eine bessere Sicht zu bekommen. Der Weg erwies sich als technisch einfach, aber durch die Steigung ziemlich anstrengend. Dörte kehrte deshalb nach ca. 25 Minuten um und ich wollte sehen, wie weit ich komme.

Es war ein langer und steiler Weg nach oben

Wie man sieht, ist diese Attraktion gut besucht. Von einsamer Wanderung kann nicht die Rede sein, dafür ist aber der Weg gut ausgebaut und sicher. Die spitze Nadel rechts vom Weg heißt Kathedrale, weil man aus einem anderen Blickwinkel sehen kann, dass sie Fenster hat.

Die Fenster der "Kathedrale"

Von da war es nicht mehr weit bis zu dem kleinen Nebengipfel, der außer "Photographer's Knoll" wohl keinen eigenen Namen hat. Hier kehrten die meisten wieder um, man hätte aber auch noch weiter auf Wanderwegen in die Berge gehen können.

Das letzte Stück des Weges

Oben war die Aussicht natürlich phantastisch! Man konnte die Insel Rona und die hohen Berge auf der britischen Hauptinsel ganz klar erkennen.

Blick zur schottischen Küste

Das Selfie auf dem Gipfel durfte natürlich auch nicht fehlen. Hier sieht man schön, dass der Old Man of Storr und die "Kathedrale" den eigentlichen Klippen vorgelagert sind. Das ist vor langer Zeit mal durch einen gigantischen Erdrutsch so entstanden.

Selfie auf Photographer's Knoll

Dörte hat unten am Parkplatz etwa 90 Minuten auf mich gewartet. Von dort sind wir dann die Küste weiter nach Norden gefahren und haben an zwei beliebten Aussichtspunkten noch einmal kurz angehalten.

Starfoto am ersten Aussichtspunkt


Wasserfall am zweiten Aussichtspunkt

Jetzt kamen wir zu dem Abschnitt, auf den ich mich besonders gefreut hatte, der Quiraing Road. Ich war 1977 bei einem Schottlandurlaub zu meiner Studentenzeit schon einmal hier und hatte diese Straße als schwierigste Single Track Road in Erinnerung. Da Dörte diese Straßen ja liebt, wollte ich sie ihr unbedingt zeigen.

Serpentinen, nicht einsehbare Kurven, fiese Schlaglöcher!

Die Straße war noch genauso spektakulär wie vor 48 Jahren, es gab nur mehr Verkehr. Klar, das kommt von dem großen Parkplatz, den man auf der Passhöhe gebaut hat und der die Touristen wie ein Magnet anzieht. Dörte hat geflucht wie ein Rohrspatz, aber ich bin sicher, dass es ihr gefallen hat!

Was ist sonst noch passiert: Wir haben neue Wanderstöcke für mich in Portree gekauft. Die alten Teleskopstöcke, die ich ins Auto gepackt hatte, waren so fest ineinandergesteckt, dass sie auch mit Werkzeuggewalt nicht mehr herauszuziehen waren. Die neuen Stöcke haben mir heute schon gute Dienste geleistet.

Anmerkungen von Dörte:

Portree hat mir gut gefallen. Beim Einkauf von Nervennahrung in Ingas Sweet Treats stellte sich heraus, dass die Inhaberin aus Bremen stammt. Ich hatte mich schon gewundert, dass auch Lübecker Marzipan hier zu kaufen war. Und der Name war ja auch nicht so ganz typisch schottisch. 

Die Kirche dort wurde in ein italienisches Restaurant umgewandelt. Ganz geschmackvoll gemacht, man hat nur eine große Empore eingezogen und im hinteren Bereich einige Räume abgeteilt. Der Name 1820 erinnert noch an das ursprüngliche Baujahr. 


Übrigens: Unsere Unterkunft hat große tiefe Fenster zum Garten hin, vor dem Fenster eine bird feeding station und auf der Fensterbank ein Buch „wild Britain - garden birds“. Sehr britisch.

Karte:

26 August 2025

Abschied von Uist

Ein Regenbogen zum Abschied

Für unseren letzten Tag auf Uist (das ist die Sammelbezeichnung für die mit Dämmen verbundenen Inseln) haben wir uns die anderen sechs Skulpturen des Uist Sculpture Trail vorgenommen. Der Anfang war gestern mit der Hut of Shadows ja schon einmal vielversprechend. Wir begannen mit dem Listening Place, der sich noch ein paar Kilometer südlich unserer Unterkunft befand. Es war eine Sitzgruppe aus Treckersitzen, die auf gemauerten Pfählen montiert waren. Man sollte hier wohl den Geräuschen der Natur lauschen, denn wie die meisten anderen Skulpturen befindet sich diese am Ende einer langen Sackgasse am Meer.

Listening Place

Die anderen fünf Skulpturen, die wir aufsuchten, befinden sich auf North Uist. Die nächste hieß "Reflections" und war eine Art Bank, die eine Sitzfläche aus Mosaik-Kacheln hatte. Die einzelnen Kacheln hatten teilweise noch ein Relief z.B. eines Schafes auf der Oberfläche. Vor allem aber waren sie nass, wie Dörte beim Hinsetzen bemerkte.

Reflections

Bevor es zur nächsten Skulptur ging, habe ich meinen täglichen Geocache gesucht und gefunden. Dieser lag an einem interessanten Denkmal für eine Familie von Ärzten, die über drei Generationen und 68 Jahre als Hausärzte tätig waren. Am Anfang ging es zu den Hausbesuchen noch auf dem Pferderücken!

Denmal für die Arztfamilie MacLeod

Das nächste Kunstwerk hat den Namen "Sanctuary". Es soll einerseits den Flug der Schwäne und andererseits das Gerippe eines Boots darstellen. Für mich sah es aus wie ein Salamander, dem auf dem Rücken ein Geweih gewachsen ist …

Sanctuary

Wir waren jetzt ganz nahe an dem Hotel, bei dem wir gestern so gut gegessen hatten. Da konnte Dörte meinem Vorschlag nicht widerstehen, dass sie sich dort ausruhen könne, während ich eine kleine Wanderung machte. So kam ich auf meine täglichen Schritte und konnte noch den Ben Langass besteigen.

Auf dem Gipfel des Ben Langass

Die vierte Skulptur des Tages sollte eigentlich direkt an der Straße liegen. Das tat sie aber nicht, sondern sie lag etwa 600 Meter entfernt in einem Waldstück! Das Waldstück bekommt hier ein Ausrufungszeichen, weil es hier fast gar keine Bäume gibt. Hier aber steht ein richtiger Wald, möglicherweise das größte zusammenhängende Waldgebiet der äußeren Hebriden!

Unerwarteter Waldspaziergang

Die Skulptur stellte den Grizzly Herkules dar und sie gehörte ganz offensichtlich nicht zur Serie. Die Geschichte dahinter ist aber faszinierend: 1980 ist der zahme Grizzly bei Werbeaufnahmen ausgerissen und war für 24 Tage verschwunden. Das hat große Sorgen ausgelöst, sogar Experten aus dem Yellowstone Nationalpark wurden zu Rate gezogen, ob der Bär verwildere und gefährlich werden würde. Er hat aber niemandem Leid zugefügt und wurde durch sein Ausbüchsen berühmt. Später hat er sogar einmal im James-Band-Film Octopussy mitgespielt! Hier im Langass Woodland steht jetzt eine Statue von ihm und hier ist er auch begraben.

Herkules, der Bär

Die letzten beiden Skulpturen befinden sich in Laufentfernung vom Fährterminal. Zunächst einmal ist da die Mosaik-Makrele, die ungefähr 5 Meter lang ist. Dörte ist extra von der Aussichtsplattform heruntergeklettert, um sie auch von der Seeseite zu fotografieren.

Mosaic Mackerel

Hier passt der Titel "Mosaic Mackerel" zu 100%. Mir hat sie gut gefallen und von den Skulpturen gestern und heute ist sie wohl die schönste.

Ein wunderschönes Fischmaul, oder?

Nur wenige Meter weiter steht die letzte Skulptur für heute: "High Tide, Low Tide". Schon durch die Position an der Flutgrenze wird das Thema Ebbe und Flut aufgegriffen. Außen funkelt der Konus durch kleine Kristalle, die an Salz erinnern sollen. Ich bin einmal herumgegangen: Auf der Seeseite gibt es einen schmalen Blick ins Innere. Laut Beschreibung sollte da Salz drin sein, aber das konnte ich nicht erkennen. Ich sah nur die Verankerung des Kunstwerks.

High Tide, Low Tide

Es bleibt aber eine Frage offen: Wenn die Herkules-Statue nicht zum Uist Sculpture Trail gehört, dieser aber sieben Kunstwerke umfasst, was haben wir übersehen? Da die Galerie, die die Skulpturen in Auftrag gegeben hat, direkt bei der Mosaik-Makrele ihren Laden hat, haben wir gefragt. Reflexhaft bekamen wir den Handzettel überreicht, auf dem aber auch nur sechs Skulpturen aufgelistet waren. Wir konnten die Unstimmigkeit leider nicht klären, vor mir hatte wohl noch nie jemand gefragt …

Jetzt sind wir auf der Fähre nach Skye. Es war schön auf den äußeren Hebriden!

Anmerkungen von Dörte:

Heute mal zum Müll: Hier weht es ja ständig und auch ziemlich stark. Daher sind die Mülltonnen meist eingehaust. Wenn nicht, dann sind sie mit Seilen an irgendwelchen Pfählen festgebunden. Und auf dem Deckel liegt meist ein dicker Stein.

Übrigens: Was bedeutet es, wenn auf einem Foto ein Regenbogen zu sehen ist? Richtig, es muss auch Regen geben. Teilweise peitschte der so richtig von der Seite über die Straße. Keine Chance, mich zu einem längeren Spaziergang zu bewegen. 

Und was mir noch aufgefallen ist, sind die Windräder. Es gibt schon eine Menge davon, aber immer so kleine Dinger. Gefühlt reicht eines davon aus, um ein Gehöft zu versorgen. Warum hier keine großen Windparks entstehen, weiß ich nicht. Genug Wind ist jedenfalls da. 

Nachtrag:

Wer lange sucht, der findet es auch: Das fehlende Kunstwerk nennt sich "Stone Swim to Islands" und befindet sich auf dem Privatgelände der Schule in Balivanich.

Karte: