Wie besichtigt man Belfast in einem Tag? Wir haben uns gegen das Titanic-Museum entschieden, wollten aber doch etwas von dem Titanic-Feeling erleben. Also sind wir zu dem Museum gefahren und sind die maritime Meile abgelaufen. Das hat gut geklappt, denn wir bekamen lauter tolle Fotomotive von Denkmälern, Schiffen, Docks und Kränen. Dabei konnten wir sogar noch 4 Geocaches finden. Ein toller Vormittag!
| Titanic-Modellbausatz als Bronzeskulptur |
Für das Museum hätte man sicherlich mehrere Stunden benötigt, das war uns zu lange. Die Architektur des Gebäudes ist beeindruckend, die großen weißen Flächen sollen wohl Eisberge symbolisieren. Dörte hat vor dem Eingang als Galeonsfigur posiert.
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| Vor dem Titanic-Museum |
In einem alten Dock kann man aber auch ein anderes Schiff der White Star Line sehen: Die SS Nomadic. Es ist das letzte verbliebene Schiff der White Star Line. Man kann sie besichtigen, aber nur mit dem Titanic-Museum-Ticket. Von außen ist uns aufgefallen, dass es keine richtige Brücke gab, das Steuerrad war auf dem offenen Deck. Das liegt wohl daran, dass sie als Tenderschiff für die Titanic und ihr Schwesterschiff Olympic engesetzt wurde.
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| SS Nomadic |
Das alte Dock fand ich sehr interessant. Es wurde neben der SS Nomadic auch ein Senkkasten ausgestellt. Das ist eine Art schwimmendes Tor, gebaut wie ein Schiff, welches dazu dient, das Dock wasserdicht abzuschließen. Dazu wird es in Position gebracht und mit Wasser geflutet. Dadurch senkt es sich und verschließt die Einfahrt des Docks, aus dem anschließend das Wasser abgepumpt werden kann.
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| Ein Senkkasten |
Die maritime Meile war aber noch nicht zu Ende, denn es folgte ein weiteres Dock, in dem die HMS Caroline festgemacht ist. Es ist eines der wenigen Kriegsschiffe aus dem ersten Weltkrieg, die es noch gibt. Hier gibt es nur geführte Touren, für die man sich wohl vorher hätte anmelden müssen.
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| HMS Caroline |
Für Dörte als Fan von Game of Thrones gab es noch einige weitere Fotomotive unter dem Motto "Glass of Thrones". Das sind bemalte Fenster aus Glas, die Szenen aus der Serie darstellen. Natürlich hat sie es sich nehmen lassen, einmal auf dem Thron zu sitzen!
| Dörte auf dem Thron |
Für den Nachmittag hatten wir eine Free Walking Tour durch das Zentrum von Belfast gebucht. Unser Führer hieß Brian und berichtete gleich am Anfang von der Zerrissenheit zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Nationalisten (für ein vereintes Irland) und Unionisten (für den Verbleib Nordirlands in UK). Es habe alles viel mit Identität zu tun: Manche fühlen sich irisch und andere britisch. Er selbst besitze beide Nationalitäten, was für Bürger Nordirlands nach dem Karfreitagsabkommen problemlos möglich ist. Der irische Reisepass sei aber praktischer, damit könne man leichter reisen.
Inzwischen gibt es in Nordirland wohl auch eine marginale katholische Mehrheit. Er werde ein vereintes Irland wohl nicht mehr erleben, seine Kinder vielleicht und seine Enkel bestimmt.
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| Belfast City Hall |
Wir trafen uns bei der City Hall, einem riesengroßen Gebäudekomplex. In der dazu gehörigen Gartenanlage ist uns gleich wieder die Titanic begegnet: Dort gibt es einen Titanic Memorial Garden. Auf Bronzetafeln sind alle Opfer des Unglücks mit Namen verzeichnet. Zwei davon übrigens mit Sternchen: Sie sind damals mit falschen Papieren gereist und man kennt ihre wahren Identitäten nicht.
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| Titanic Memorial Garden |
Brian führt uns zu seinem Lieblingspub "The Crown". Er stammt aus dem 19. Jahrhundert, ist liebevoll restauriert (noch mit Gaslampen!) und wird jetzt vom National Trust verwaltet. Echt sehenswert! Vor dem Eingang gab es ein Mosaik mit einer Krone. Da konnte man gleich seine politische Überzeugung zeigen: Manche gingen ehrfürchtig darum herum, während sich andere dort die Füße abgetreten haben .
| Im Pub "The Crown" |
Natürlich sprach Brian auch über den Nordirlandkonflikt, der hier "The Troubles" genannt wird. Der Konflikt hat seinen Ursprung in der Siedlungspolitik Großbritanniens im 17. Jahrhundert, die als Plantation of Ulster bezeichnet wird. Damals wurden Katholiken vertrieben und loyale Protestanten aus England und Schottland als Siedler nach Nordirland gebracht. Bei der Entstehung des Freistaates Irland im Jahre 1922 führte das dann zur Abtrennung Nordirlands, weil es dort eine protestantische Mehrheit gab. Ende der 60er-Jahre bildeten sich paramilitärische Organisationen sowohl bei den Unionisten als auch den Nationalisten. 1969 eskalierte die Gewalt und es wurde die britische Armee geholt, um die Ordnung wieder herzustellen. Der Konflikt zog sich fast 30 Jahre hin bis zum Karfreitagsabkommen von 1998. Ich kann mich selbst noch gut erinnern an die Nachrichten von Bombenanschlägen in Belfast. Damals wäre man als Tourist auf gar keinen Fall in diese Stadt gereist!
| Albert Memorial Clock Tower |
Wir haben den Tag ausklingen lassen mit einem Guiness in einem Pub. Er hatte den schönen Namen "The Thirsty Goat" und hatte schon am Nachmittag Livemusik. Dörte liebt ja das Lied Black Velvet Band.
Anmerkungen von Dörte:
Die Führung war mit Technik, wir haben so Stäbchen bekommen, die man ans Ohr stecken sollte - also mit so nem Bügel. Man konnte das Alter der Damen daran erkennen, dass sie trotz des Bügels das Teil mit dem Finger festhielten. Ich übrigens nicht - ich habe ein Kopftuch umgebunden! Ha!
Karte:






Endlich wird der Nordirlandkonflikt mal kurz und bündig so zusammengefasst, dass ich ihn verstehe! Und auf den Games of Thrones-Thron hätte ich mich auch gerne gesetzt.
AntwortenLöschenHallo Ralf, dann werden die nächsten Blogbeiträge sicher auch interessant für Dich sein. An der Nordküste reden alle von Games of Thrones und heute mittag geht es nach "Stroke City"!
LöschenLG Jan