07 September 2025

Besuch von Jana in Dublin

Heute hat uns unsere Tochter Jana besucht, sie ist von London für einen Tag nach Dublin geflogen. Ich hatte sie vorher gefragt, ob es etwas gibt, was man vorab online buchen müsse und sie wünschte sich eine Führung durch das Gefängnis Kilmainham Gaol.  Das ist schwierig, denn man kann nur die nächsten 28 Tage buchen und die sind immer schon ausverkauft. Aber am selben Tag um 9:15 Uhr werden zurückgegebene Tickets online gestellt und da versuchte ich mein Glück. Ich habe es tatsächlich geschafft, drei Karten für einen Timeslot um 16 Uhr zu bekommen!

Jana und Dörte im Kilmainham Gaol

Gegen 10 Uhr kam Jana bei unserer Unterkunft an. Nach einem Begrüßungstee wollten wir zunächst in das "Little Museum of Dublin" gehen. Das hatte uns unsere Wirtin empfohlen. Der Weg dahin mit öffentlichen Verkehrsmitteln war allerdings schwerer als gedacht, denn in der Innenstadt gab es eine Parade und alle Busse und Straßenbahnen fuhren entweder falsche Strecken oder blieben einfach stehen. Wir sind vier Haltestellen zu Fuß gelaufen, bekamen aber dafür etwas von der Parade mit.

Parade in der Innenstadt

Es war eine Parade der Rettungskräfte am National Service Day und dementsprechend wurden auch Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr gezeigt.

Mächtiges Einsatzfahrzeug in der Parade

Das kleine Museum kann man nur mit Führung besuchen - zum Glück mussten wir nur 20 Minuten warten. Es war eine Mischung aus Mediendisplay, Schaukasten mit Kuriositäten begucken und unterhaltsam vorgetragenen Informationen zur Geschichte Irlands und Dublins.

Das riesige Puppenhaus im Little Museum of Dublin

Die Führung im Gefängnis war sehr gut. Das Gebäude wurde 1796 erbaut und diente bis 1924 als Gefängnis. Danach ist es verfallen und man hat erst in den 60er-Jahren sich darum bemüht, es zu restaurieren und als Museum und Gedenkstätte herzurichten,

Der modernere Teil des Gefängnisses

Das Gefängnis ist im 19. Jahrhundert erweitert worden und hat deshalb einen alten Flügel, der sehr dunkel ist und modrig riecht, und einen moderneren Flügel, der offener gestaltet und lichtdurchflutet ist.

Im älteren Teil des Gebäudes

Im Laufe der Jahre sind hunderttausende Gefangene hier eingesperrt gewesen. Ausgelegt ist das Gefängnis für Einzelzellen, in der Zeit der größten Hungersnot gab es Zellenbelegungen mit bis zu 7 Personen. Der jüngste Insasse war 3 Jahre alt: Eine Woche Gefängnis für Bettelei. Die geschichtliche Bedeutung dieses Gefängnisses liegt aber darin, dass hier viele irische Politiker und Rebellen inhaftiert und einige auch hingerichtet wurden.

Gedenkstätte am Hinrichtungsort der
Anführer des Osteraufstandes 1916

Es gab viele herzzerreißende Geschichten zu hören über die Rebellen, die hier hingerichtet wurden. Nach der Unabhängigkeit 1922 gab es einen Bürgerkrieg zwischen Befürwortern und Gegnern des anglo-irischen Vertrages, der zur Teilung Irlands führte. Die Anführer der Gegner wurden auch auf diesem Hof hingerichtet - diesmal nicht von Engländern, sondern von Iren. Es gab aber auch einen von der IRA organisierten erfolgreichen Ausbruch.

Skulptur außerhalb des Gefängnisses zur Erinnerung
an die 14 Hungerichteten des Osteraufstandes

Nach dem Besuch des Gefängnisses ist Jana mit einem Taxi zum Flughafen gefahren und Dörte und ich haben ohne Zeitdruck versucht, endlich einen Cache in der Region Dublin zu finden. Der nächstgelegene Cache war ein Multicache, der sich thematisch mit dem Gefängnis befasste. Beispielsweise musste man bei einer Skulptur für die 14 Hingerichteten des Osteraufstandes sehr genau hinsehen, um festzustellen, dass in jeder einzelnen Figur die Einschusslöcher modelliert waren.

Die Einschusslöcher sind zu sehen

Die Aufgaben dieses Multicaches haben uns gefallen, aber irgendwie haben wir uns verhaspelt und konnten den Fehler nicht finden. Der Cache-Owner hat uns inzwischen geholfen, vielleicht schauen wir morgen noch einmal vorbei. Unseren Cache für Dublin haben wir dann in der Innenstadt gemacht und jetzt habe ich auch das noch fehlende Souvenir.


Anmerkungen von Dörte:

Bei der Busfahrt habe ich gesehen, dass bei einer Kirche das identische Kunstwerk stand wie jenes, das ich in Santo Domingo so beeindruckend gefunden habe. Eine Bank mit der Bronzefigur eines liegenden  Obdachlosen. Wenn man genauer hinschaut, erkennt man aber Kreuzigungsmale an den Füßen. 

Wir sind auch beim Artmuseum vorbeigekommen. Es gibt ja immer wieder Installationen, die mich sehr ratlos zurücklassen. Hier war es ein Rasenfläche mit Liegestühlen vor einer Großbildwand, auf der in einer Endlosschleife ein Tropfen in ein Glas mit blauer Flüssigkeit tropft. Dabei wird immer ein Wort wiederholt, das ich jetzt aber vergessen habe. 


Übrigens habe ich laut Jan auch vergessen, dass ich das Gefängnis 2001 schon mal besichtigt habe. Das kann aber gar nicht angehen. (Ich erinnere mich dagegen deutlich an meine Inhaftierung in einem tschechoslowakischen Gefängnis - aber das ist eine andere Geschichte)

Karte:

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